Schiedsrichter werden – Über die Leidenschaft und Verbundenheit zum Handballsport HSG-Inside im Gespräch mit Rafael Carneiro

Last Updated: 26. April 2021Von

Schiedsrichter sind in fast allen Vereinen im Kreis gesucht, doch nicht nur Corona erschwert die Suche nach Unterstützung auf dem Feld.

Rafael Carneiro pfeift bereits seit über 10 Jahren für die HSG und ist vor der Saison in den Verbandsliga Leistungskader aufgestiegen. Wir haben mit ihm über seine Leidenschaft zum Sport, seine Aufgaben als Schiedsrichter und über die Schwierigkeit, neue Schiedsrichter zu gewinnen, gesprochen.

 

Wie wird man Schiedsrichter?

„Es gibt Anmeldeformulare, dann geht man zu seinem Trainer oder Vorstand und sagt man möchte gerne Schiedsrichter werden und dann wird dieser junge Mensch (…) zu einem Lehrgang angemeldet. Da gibt es Schiedsrichterlehrgänge, die gehen über ein paar Wochen, einmal die Woche trifft man sich und da wird das Regelheft durchgenommen, es werden Situationen beschrieben, wie man da reagieren würde (…) und dann gibt es auch das praktische Training, da geht man dann in die Halle und dann werden Situationen simuliert. Am Ende des Lehrganges gibt es dann eine Prüfung und wenn man die besteht ist man offiziell Schiedsrichter. Dann bekommt man Spiele angesetzt oder bekommt einen erfahrenden Schiedsrichter an die Hand, mit dem man dann ein Spiel pfeift. (…) Und dann kann man am Ende der Saison in eine höhere Liga aufsteigen.“

 

Wie wird entschieden welche Schiedsrichter eine Liga aufsteigen?

„In der Saison wird man ja als Schiedsrichter, Gott sei Dank, beobachtet, das ist eine Art von Coaching und man bekommt für verschiedene Dinge Punkte, z.B. für die Bewegungen auf dem Spielfeld oder Reaktionen auf verschiedene Situationen. Am Saisonende werden die Punkte dann geprüft und dann wird überlegt, ob die Schiedsrichter höher pfeifen könnten, in der Liga bleiben sollten oder ob sie eventuell in einer niedrigeren Liga pfeifen sollten. Je nach Liga und Leistungsbereich sollten in einer Saison mindestens vier Beobachtungen stattfinden. (…) Es gibt vor jeder Saison Lehrgänge, in denen man fortgebildet wird und am Ende gibt es dann einen Regel- und einen Lauftests und umso höher die Liga ist, umso mehr Punkte muss man natürlich auch erreichen und umso länger muss man in dem Shuttlerun (Lauftest) dann durchhalten.“ Nach der Hinrunde gibt es auch Lehrgänge wo man die Schwerpunkte in dieser ersten Halbzeit anspricht und Tipps gibt, wie man diese Situationen löst.“

 

Woran liegt es deiner Meinung, dass es so wenige Schiedsrichter gibt?

„Die jungen Leute werden oft nicht genug motiviert. Einige entscheiden sich Schiedsrichter zu werden und bekommen dann nur unattraktive Partien zugeteilt. Die stehen dann Sonntagsmorgens auf dem Feld und müssen Männer in der untersten Liga pfeifen, die älter sind als ihre Väter. Das ist für junge Leute nicht motivierend. Ich wurde früher noch von einem erfahrenden Schiedsrichter an die Hand genommen und durfte mal Erfahrungen in höheren Ligen pfeifen, das ist bei uns im Kreis schwierig. Wenn sich einige wenige dann doch für eine Schiedsrichterbahn entscheiden, werden sie oft von den größeren Vereinen abgeworben. Die können einfach mehr bieten und alle benötigen Schiedsrichter, da ist es für die kleinen Vereine wirklich nicht einfach.“

 

Mit wie vielen Jahren kann man Schiedsrichter werden?

„Das genau Alter weiß ich ehrlich gesagt nicht. Unter 18 Jahren darf man auf jeden Fall in der Jugend pfeifen und ab 18 Jahren dann auch im Herrenbereich.“

 

Was hat dich dazu bewegt Schiedsrichter zu werden?

„Also erstmal die Liebe zum Sport. Mich hat Handball immer fasziniert und irgendwann machen die Knochen es nicht mehr mit. (…) Schließlich hat mich aber eigentlich das berufliche bewegt Schiedsrichter zu werden, denn ich glaube ich kann nicht erwarten am Wochenende einen Platz im Kader zu bekommen, wenn ich nicht zum Training gehe. (…) Und da ich in der Woche wenig konnte, habe ich mir gedacht, lass das mal sein mit dem aktiven Handball. Ich habe aber seitdem ich 9 Jahre bin Handball gespielt und dann kann man nicht einfach aufhören. Da macht man sich dann erstmal Gedanken und ich war immer interessiert und habe mich gefragt wie es so auf der anderen Seite ist. (…) Als neutraler Beobachter ist es schon sehr interessant, wie viel man mehr sieht, als ein Spieler. Man beobachtet viel genauer, jeder Schiedsrichter hat seine Rolle und das hat mich einfach immer interessiert wie das so ist. Und ich wollte auch einfach nicht von der Platte weg.“

 

Welche Stärken sollte ein Schiedsrichter mitbringen?

„Also bei uns im HV wird es ja auch viel gepredigt, dass du deinen Pfiff verkaufen musst. Du musst davon überzeugt sein. Kommt bei einem Foul der Pfiff zum Beispiel nur einen Bruchteil zu spät, dann sind alle der Meinung das ist eine Fehlentscheidung, weil der Schiedsrichter selbst nicht davon überzeugt ist. (…) Das ist auf jeden Fall wichtig, die Überzeugungskraft. Und was auch noch wichtig ist, ist Interesse zu zeigen, weil es ist wirklich möglich mit etwas Interesse ein guter Schiedsrichter zu werden. Man muss natürlich auch gewisse Kenntnisse haben, das ist auch nicht so gegeben. Es gibt so viele Regeln, die die meisten gar nicht kennen oder wissen wie sie ausgelegt werden können und wo es keinen Spielraum gibt. (…) Aber das bekommt man ja beigebracht, ich konnte auch nicht direkt alle Regeln, als ich angefangen habe.

Menschenkenntnisse sollte man auf jeden Fall mitbringen. Man muss auch so ein gewisses Fingerspitzengefühl haben, wie die Menschen reagieren, wie man mit ihnen umgehen muss. Manchen Spielern muss man zum Beispiel direkt die Grenzen zeigen, aber nicht auf eine arrogante Art. Und man sollte immer freundlich und respektvoll sein. Man hat so viel Macht als Schiedsrichter, die sollte man niemals einfach so ausnutzen. (…) Das ist oft schwierig, weil viele auf der Tribüne auch gerne selbst Schiedsrichter sind und ihre Meinung aufs Spielfeld brüllen, aber wenn man mit Respekt auftritt bekommt man ihn meist auch zurück.“

 

Wie sehen deine Vorbereitungen auf ein Spiel aus?

„Ich treffe mich vor dem Spiel mit meinem Partner und wir fahren dann gemeinsam zum Spiel. Dann haben wir immer schön was zu Quatschen und dann steigt man an der Halle richtig in die Vorbereitungen ein. Man sollte immer eine Stunde vor dem Spiel da sein, weil man auch die technische Besprechung hat. Das Spielfeld und die Pässe müssen kontrolliert werden, die Halle muss vorbereitet werden und man muss sich natürlich auch aufwärmen. Ich freue mich immer auf die Spiele, vor allem wenn ich weiß, dass es ein gutes Spiel wird, was ich leiten darf. Ich betone besonders leiten, weil ich es ja nicht beeinflussen will. (…)“

 

Was war dein persönliches Highlight in deiner Schiedsrichterlaufbahn?

„Das war dieses eine Spiel, ein Derbyspiel. Das war ein Spiel was ich jetzt nicht auf dem Schirm hatte, ich wusste zwar es ist ein Derby, aber ich habe mir dabei nichts gedacht. Und ich bin dann in die Halle gekommen, ich war eher als mein Kollege, und habe mich gewundert wieso so viele Leute da sind. In der Halle hat aber auch die Jugendbundesliga gespielt und deshalb dachte ich das wären die ganzen Eltern, die ihren Kindern zusehen. Ich bin dann in die Halle gekommen und habe mich gewundert, dass niemand in der Halle ist. Ich habe mir dann aber nichts dabei gedachte und habe mich umgezogen. Wir sind dann in die Halle für die technische Prüfung. Und wir kamen in die Halle und ich sehe auf einmal, die ganze Halle ist voll und dachte nur ‚Was ist denn hier passiert?‘. Ja, und das war dann einfach ein ganz besonderes Spiel, volle Halle, super Stimmung, tolles spannendes Spiel und das wird mir immer so im Kopf bleiben.“

 

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Starke rechte Seite eröffnet Weg zum Heimsieg gegen TG Voerde II

Mit Fünfzehn minütiger Verspätung startete die Sonntagspartie in der Sporthalle am Brasberg, leider ist der angesetzte Schiedsrichter nicht erschienen, so einigten sich beide Mannschaften auf eine Neuansetzung der Position des Unparteiischen.

Verzichten mussten wir auf Cordula Dickhut (privat verhindert) und Nicole Scholz (krank), dafür eilte Nina Winterhoff nach ihrem Tanzkurs noch zur Sporthalle und verstärkte das Team in den zweiten dreißig Minuten.

In der Anfangsphase lief der HSG-Motor noch nicht ganz rund, Voerde hielt bis zur zehnten Spielminute mit, dies lag auch an unserem Angriffsspiel. Einige offensiv Vorstöße wurden nicht sauber zu Ende gespielt oder die Abschlüsse fanden nicht den Weg ins Gästetor. Mit zunehmender Spieldauer lief der Ball aber besser durch die eigenen Reihen, besonders erfreulich einige sauber ausgespielte Abläufe, die wir im Training einstudieren und im Spiel umsetzen möchten. Am Anfang führte Jessica Hoffmann Regie auf der Mittelposition, für ein paar Angriffe reichte es auch bei Dorit Kumutat, die nach einer Krankheitswoche noch nicht wieder voll bei Kräften war und für die letzten zwanzig Minuten übernahm Nina Winterhoff das Kommando.

Jennifer Trautmann zeigte einmal mehr ihre Klasse, auch auf der nicht so beliebten rechten Halbposition netzte Jenny bereits im ersten Durchgang sechs Mal ein, am Ende standen zehn Tore auf ihrem Konto.

In der zweiten Halbzeit wurde defensiv besser gearbeitet, Laufbereitschaft müssen wir auch hinten zeigen, zudem hielt Crissy Scholz einige freie Würfe und zeigte eine gute Leistung im Tor.

Das dreißigste Tor erzielte Nina Winterhoff mit einem schönen Stemmwurf in den Giebel und nach sechzig Spielminuten leuchtete ein 33 zu 10 auf der Anzeigentafel in der Sporthalle am Brasberg.

Kader der HSG:

Nadine Hamer und Crissy Scholz im Tor

Jennifer Trautmann 10, Jessica Hoffmann 6, Sabrina Hell 6/4, Sabrina Schubert 5, Anne Kaiser, Kirsten Flottmann und Nina Winterhoff je 2, Julia Maas, Dorit und Birte Kumutat.